Konzepte

Neue Infrastruktur - Grundlage für die Stadtentwicklung

Wassernähe, Bodenverhältnisse und das Hochwasserrisiko stellen besondere Herausforderungen dar

Das Foto zeigt die Straße am Sandtorkai bei Nacht

Für die HafenCity mussten vollkommen neue Verkehrsstrukturen geschaffen werden. (© ELBE&FLUT)

Die HafenCity ist von besonderen gebietsspezifischen Merkmalen geprägt: Das Gebiet ist eine mit Hafenbecken durchzogene, niedrig liegende Insel im Elbstrom. Bedingungen für eine urbane Nutzung sind daher externe und interne Verbindungen und Vernetzungen sowie der Hochwasserschutz.  
Hinzu kommen die Ost-West-Lage der Speicherstadt, die sich wie ein Riegel zwischen HafenCity und innere Stadt legt, und die ebenfalls in Ost-West-Richtung verlaufenden Wasserzüge. Sie haben u. a. dazu geführt, dass eine leistungsfähige Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) nur unterirdisch als U-Bahn gut funktioniert. Das Gebiet der HafenCity befindet sich zudem außerhalb der Hauptdeichlinie Hamburgs auf einem nicht hochwassersicheren Niveau von 4 bis 5,5 m ü. NN. Mit der Lage in der Elbe muss sie gesondert und aufwendig gesichert werden: Über 3,1 km lang ist die Kante zur Elbe hin und insgesamt 10,5 km lang die Wasserkanten insgesamt, einschließlich der Hafenbecken.
Das Areal der HafenCity wurde zudem in der Vergangenheit als Industrie- und Hafengebiet geprägt. Mit dem Ausbau der modernen Hafenanlagen ab 1862 erhielt es seine charakteristische Prägung, die weitgehend bestehen geblieben ist: Hafenbecken, Kaimauern und einige revitalisierte historische Bauten machen heute den typischen Charakter der HafenCity aus. An vielen Stellen, wie zum Beispiel am Sandtorkai und am Dalmannkai, ließ sich die historische Bausubstanz der Kaimauern teilweise erhalten und behutsam wiederherstellen. Neu gebaut werden die Kaimauern an den Stellen, wo sie bereits zu stark beschädigt sind oder wo es bisher noch keine gibt. Da die industrielle Nutzung des Gebiets ihre Spuren hinterlassen hatte, musste an manchen Orten kontaminierter Boden saniert werden.

Hochwasserschutz hat oberste Priorität

Wichtige Voraussetzung für den Bau der HafenCity war und ist der Hochwasserschutz. Auf eine Eindeichung wurde bewusst verzichtet, denn für die gesamte 126 ha große Landfläche des Stadtteils hätte sie bereits vollständig vor Realisierung der ersten Hochbauten hergestellt werden müssen. Ein zügiger Beginn der HafenCity-Entwicklung wäre dadurch nicht möglich gewesen, gleichzeitig hätte eine Eindeichung erhebliche Vorlaufkosten verursacht. Stadträumlich hätte ein Deich zudem den Stadtteil prägende Wasserbezüge verhindert.
Stattdessen werden die neuen Gebäude und Straßen auf Warften gebaut: Diese Sockel bilden ein neues Höhenniveau von ca. 8 m ü. NN und schützen so vor Überflutung. Zudem bieten sie Raum für hoch-wassergeschützte Tiefgaragen. Promenaden und teilweise auch Plätze verbleiben dagegen auf dem bisherigen Niveau des Gebiets von etwa 4,5–5,5 m ü. NN, wodurch der enge Bezug zum Wasser erhalten wird und gut nutzbare öffentliche Räume hoher Qualität entstehen können.
Eine weitere Herausforderung stellt der Baugrund des Stadtteils dar. Die HafenCity befindet sich im Einflussbereich des Elbstroms, der sogenannten Elbmarsch. Ihre oberen Bodenschichten bestehen zumeist aus Klei und Geschiebemergel, die als sogenannte bindige Bodenschichten über eine hohe Wasseraufnahmefähigkeit verfügen und damit für schwere Lasten nicht tragfähig sind. Erst in tieferen Schichten befinden sich tragfähige Sande. Deswegen entstehen alle Gebäude in der HafenCity auf Pfählen. Sie reichen in der Regel rund 20 m tief in den Erdboden und führen das auf ihnen lastende Gewicht in die tragfähigen Sandschichten ab.
Im Straßenbau findet das sogenannte Vorbelastungsverfahren mit einer Überhöhung des Straßenkörpers auf ca. 10 m ü. NN seine Anwendung: Dabei drückt das Gewicht von aufgeschüttetem Sand zunächst den Wasseranteil aus den bindigen Bodenschichten heraus und erzeugt so einen für den Straßenbau geeigneten festen Untergrund. Wenn dieser Prozess abgeschlossen ist, wird der Sandkörper auf die Höhe des künftigen Straßenniveaus von ca. 7,50 bis 8,00 m abgetragen, sodass anschließend Leitungen eingebracht und Straßen gebaut werden können.

Neue Straßen und Brücken

Sämtliche Straßen werden auf einem hochwassergeschützten Niveau von mindestens 7,5 bzw. 8,3 m ü. NN angelegt. Neue Brücken werden hochwassersicher gebaut bzw. alte Brücken saniert und angehoben. Eine Ausnahme von der Straßenerhöhung bildet der direkt zwischen HafenCity und Speicherstadt verlaufende Straßenzug. Eine Aufhöhung in der gesamten Breite des Straßenzugs Am Sandtorkai / Westlicher Brooktorkai war aufgrund der angrenzenden Speicherstadt nicht möglich bzw. sinnvoll. Für die seltenen und zeitlich begrenzten Fälle einer Sturmflut werden neue hochwassergeschützte Zugänge zur HafenCity hergestellt, etwa die Kibbelstegbrücke: Im Normalfall stellen sie eine attraktive Wegeverbindung für Fußgänger und Radfahrer dar, bei Hochwasser sind sie die Zufahrt für Feuerwehr und Rettungsfahrzeuge. Über die Oberbaumbrücke sowie die Straßen Brooktorkai, Shanghaiallee und Überseeallee verläuft die zweite Verkehrsachse – diese ist auch im Hochwasserfall von privatem Verkehr nutzbar. Weitere hochwassergeschützte Verbindungen werden mit der Großmarktbrücke und der Freihafenelbbrücke, die beide an die Versmannstraße anknüpfen, sichergestellt.
Zwar werden Straßen in der HafenCity schon frühzeitig geplant; die Realisierung von Fahrbahndecken, Fuß- und Fahrradwegen oder Parkbuchten erfolgt trotzdem nur sukzessive und in enger Abstimmung mit dem Hochbau. Deshalb erhalten fast alle Fahrbahnen zunächst eine provisorische Deckschicht. Die endgültige Verschleißschicht wird erst nach Fertigstellung der umliegenden Hochbauten hergestellt, zusammen mit den Nebenflächen sowie den Radwegen bzw. Radfahrstreifen und Baumpflanzungen.

Mit dem Auto oder zu Fuß in die City

Anbindungen der HafenCity zur Hamburger Innenstadt stellen derzeit vier Straßenbrücken her. Die in Ost-West-Richtung verlaufende Straße Am Sandtorkai / Brooktorkai dient als zentrale nördliche Erschließungsachse der westlichen HafenCity. Von ihr aus wird auch der Verkehr in Richtung Süden aufgefächert; vor allem durch die Shanghaiallee und die Osakaallee. Ihre Fortsetzung führt direkt über die Kornhausbrücke und bildet die Verlängerung der sogenannten Domplatz-Achse. Fußgänger gelangen in zehn Minuten auf einem Boulevard vom neu gestalteten St.-Annen-Platz über die Kornhausbrücke und den Domplatz bis zum Jungfernstieg.
Die in den nächsten Jahren zu entwickelnde östliche HafenCity wird verkehrlich ebenso hervorragend erschlossen sein. Wichtigste Hauptverkehrsstraße wird die Versmannstraße, zusätzlich entstehen mehrere interne und externe Verbindungen. Eine neue Brücke im Osten wird die Versmannstraße über den Oberhafen und das Großmarktareal mit der Amsinckstraße verknüpfen, wodurch die HafenCity erheblich vom Durchgangsverkehr entlastet wird.

Baakenhafenbrücke sichert zügige Weiterentwicklung
 
Eine neue Brücke über den westlichen Baakenhafen verbindet ab 2013 den nördlichen Teil des Quartiers Baakenhafen mit seinem Südteil. Die 130 m lange Baakenhafenbrücke markiert einen wichtigen Meilenstein für die zügige Entwicklung der östlichen HafenCity, in der 2011 mit den vorbereitenden Arbeiten für die Infrastrukturmaßnahmen und schließlich dem Wohnungsbau begonnen wird. Mittelfristig kann die Straßenerschließung über die Elbe zum Kleinen Grasbrook weitergeführt werden.
Darüber hinaus entstehen zahlreiche Fuß- und Fahrradwege, zwei Fußgängerbrücken sind über den Baakenhafen geplant. Ein geplanter Tunnel schafft eine Verbindung zwischen dem durch Gleise abgetrennten Oberhafenquartier und dem Quartier Am Lohsepark. Der frühestens ab 2015 unter dem Bahndamm hindurchführende Tunnel mündet direkt in den Nordost-Ausgang der U-Bahnstation HafenCity Universität.
Neu zu schaffende und bereits bestehende Verkehrswege führen in manchen Lagen der östlichen HafenCity zu einer erhöhten Lärmexposition. Beispielsweise an der östlichen Versmannstraße dominieren daher eher lärmunempfindliche Gewerbenutzungen, die zugleich den Lärmschutz für die Wohnnutzung verbessern.

Umweltfreundlicher Verkehr

Die zentrale Lage der HafenCity lädt dazu ein, auf das Auto zu verzichten: Ihr weit verzweigtes Netz von Fuß- und Fahrradwegen ist außergewöhnlich engmaschig. Wer kein eigenes Fahrrad besitzt, kann sich an den Fahrradstationen ein „StadtRad“ des Hamburger Fahrradleihsystems ausleihen; weitere Leihstationen sind geplant.
Wesentliche Voraussetzung, um die HafenCity mit ihrer dichten Nutzungsmischung und ihrer hohen Besucherfrequenz nachhaltig zu entwickeln, ist ein effizientes System des ÖPNV. Zwei bereits vorhandene Bahnhöfe der U-Bahnlinien U1 Meßberg und U3 Baumwall stellen die Schnittstellen zur heutigen Innenstadt dar.

Eine neue U-Bahnline

Die neue Linie U4, die über Jungfernstieg zum Hauptbahnhof und Berliner Tor bis nach Billstedt führt, erschließt ab Herbst 2012 mit der neuen Haltestelle Überseequartier die südliche und zentrale HafenCity. Ende 2010 wurde am Jungfernstieg der Durchstich für die zweite Röhre der künftigen U4-Linie gefeiert; der Rohbau der neuen Verbindung zwischen der Innenstadt und der HafenCity ist fertig und die Strecke und die Bahnhöfe befinden sich im technischen Ausbau. Auf der Strecke wird mit bis zu 35.000 Fahrgästen pro Tag gerechnet. Die Station HafenCity Universität nimmt den Betrieb mit der Eröffnung der Universität 2013 auf. Eine weitere Station soll bis 2017/18 an den Elbbrücken errichtet werden, wo sich die U-Bahn mittelfristig mit der S-Bahn verknüpfen lässt. Schon heute verfügt die HafenCity über ein dichtes und flexibles HVV-Busliniennetz, das ständig dem Wachstum des neuen Stadtteils angepasst wird. Auch ein erster Fähranleger ist bereits nahe der Elbphilharmonie hergestellt. Zwei weitere sollen folgen – an der HafenCity Universität und am Baakenhafen. Dazu kommen verschiedene Barkassenanleger, u. a. im Magdeburger Hafen und im Baakenhafen.
Planung und Bau der komplexen Infrastrukturmaßnahmen verantwortet die stadteigene HafenCity Hamburg GmbH als Bauherrin (außer auf den privaten Grundstücken). Finanziert werden diese durch Grundstücksverkäufe im Planungsgebiet, Ausnahme ist die U4, die von der Hamburger Hochbahn AG geplant und realisiert wird. Ihre Finanzierung erfolgt über den Haushalt der Freien und Hansestadt Hamburg sowie über Zuschüsse aus Bundesmitteln. Die externe Anbindung der HafenCity, der geplante Umbau des Deichtorplatzes sowie der Bau von Brücken zwischen HafenCity und anderen Stadtquartieren erfolgen ebenfalls über den städtischen Haushalt.