Quartiere

Vom Ort industrieller Pioniere zum grünen Stadtquartier

Historisches Industrie- und Bahnhofsgelände prägt das Quartier. Mit dem Lohsepark entsteht der "Central Park" der HafenCity

Das Foto zeigt das Areal der Quartiere Am Lohsepark und Elbtorquartier aus der Vogelperspektive

Luftbild der künftigen Quartiersfläche: Noch wird die Fläche des zukünftigen Lohseparks teilweise von einer Spedition genutzt und ist durch Erschließungsmaßnahmen gebunden (© ELBE&FLUT) Bilderserie starten

Eingerahmt von Wasserflächen im Norden und Süden entsteht in der zentralen HafenCity ein attraktiver Stadtraum, dessen „grüne Seele“ der Lohsepark sein wird. Ausgangspunkt ist das teils denkmalgeschützte Backsteinensemble am Lohseplatz. Die einst dort ansässige Harburger Gummi-Kamm-Compagnie gehörte zu den Pionieren der Industrialisierung Hamburgs, inzwischen ist ihr Firmengebäude ein saniertes architektonisches Schmuckstück, das u. a. die private Autosammlung Prototyp beherbergt. In unmittelbarer Nachbarschaft wird es künftig von drei Neubauten ergänzt (67–69). 

Wohnen am Park

Lebendig und vielseitig wird die Hafen-City am Lohsepark. Auf rund 20.000 qm Bruttogeschossfläche (BGF) entsteht ab 2012 zwischen Shanghaiallee und Yokohamastraße in einem großen Quarree ein urbaner Mix aus insgesamt 140 Miet-, Sozial- und Eigentumswohnungen. Für ein Grundstück (70) erhielten zwei Pioniere der HafenCity-Entwicklung, die gemeinnützige Baugenossenschaften Bergedorf-Bille und Otto Wulff, den Zuschlag. In Zusammenarbeit mit dem Verein Leben mit Behinderung Hamburg werden unter anderem integrative Wohnkonzepte für Menschen mit und ohne Behinderung -verwirklicht. Das Quartier wird außerdem zwei Kitas, ein Ärztezentrum und einen kleinen Frischemarkt beherbergen. Zudem wird im Gebäude eine Begegnungsstätte angesiedelt. Aus dem Architekturwettbewerb gingen 2011 drei Siegerbüros hervor: APB Architekten und Böge Lindner K2 Architekten aus Hamburg sowie Haslob Kruse + Partner Architekten aus Bremen.

Das Nachbargrundstück (71) wurde einem Konsortium, bestehend aus vier Baugemeinschaften mit etwa 75 einzelnen Bauherren, anhandgegeben, das von Stattbau Hamburg und der Conplan GmbH betreut wird. Neben Eigentumswohnungen entstehen geförderte Mietwohnungen auf niedrigem Preisniveau durch das Unternehmen Frank Heimbau Nord. Die Architekturentscheidung erfolgt 2012. Geplant sind ebenfalls differenzierte Erdgeschossnutzungen, eine weitere Kita entsteht und andere öffentliche Nutzungen.

Ein Gymnasium, das auch als Nachbarschaftszentrum dienen soll, wird östlich des Lohseparks eingerichtet. Darüber hinaus sind weitere Wohngebäude entlang der Grünanlage, ein Hotel an der Versmannstraße sowie Dienstleistungsnutzungen an der Stockmeyerstraße vorgesehen. Grundsätzlich werden rund um den Lohsepark geschlossene Blockstrukturen mit sechs bis sieben Geschossen realisiert. Beide Neubauten sind für eine Zertifizierung mit dem Umweltzeichen HafenCity in Gold vorgesehen.

Der größte Park in der HafenCity

Der neue 4 ha große Stadtteilpark wird sich wie ein langes grünes Band vom Ericusgraben im Norden bis zum südlich gelegenen Quartier Baakenhafen ziehen, wo er an eine 30 m breite Elbpromenade anknüpft. Zu seiner Gestaltung wurde 2010 ein internationaler Freiraumwettbewerb durchgeführt. Die Vogt Landschaftsarchitekten AG (Zürich) überzeugte mit der Konzeption, den Park als einen Bewegungsraum „von Gebäudekante zu Gebäudekante“ und „von Wasser zu Wasser“ zu gestalten: Geschwungene Wege führen durch Rasen- und Wiesenflächen mit vielen Bäumen. Bänke und Wasserspiele laden ebenso zum Verweilen ein wie ein Gemeinschaftshaus samt Kinderspielplatz. An den Längsseiten schließen Terrassen zur Straße auf, was eine barrierefreie Verzahnung der Grünfläche mit dem Stadtraum schafft. Insgesamt staffelt sich der Lohsepark über drei Höhenniveaus – ca. 5,50 m, 6,50 m und 8,00 m ü. NN.

Gedenkort mitten im Geschehen

Eine besondere Anforderung besteht darin, Ideen für einen integrierten Gedenkort zu erarbeiten. Auf dem Areal befand sich einst der Hannoversche Bahnhof, von dem aus während des Zweiten Weltkriegs mindestens 7.692 Menschen – Juden, Sinti und Roma – deportiert worden sind. Das während des Kriegs stark beschädigte Bahnhofsgebäude wurde 1955 gesprengt. Im Zuge der Parkgestaltung entsteht jetzt erstmals an zentraler Stelle in Hamburg ein Ort des Erinnerns. Für den Gedenkort sieht das Konzept eine diagonal das Parkareal durchziehende Fuge vor, die die Relikte des einstigen Bahnhofsvorplatzes mit den vorhandenen Resten des Bahnsteigs 2 verbindet. Die 2009 temporär im Kunsthaus gezeigte Ausstellung „In den Tod geschickt“ soll in einem Dokumentationszentrum ihren endgültigen Ort finden.

Die für die Realisierung des Lohseparks benötigten Flächen sind zum Teil noch bis 2017 durch eine Spedition gebunden. Erste Abschnitte können aber schon ab 2012 entwickelt und 2013 fertiggestellt werden. Bis 2019 steht der Park dann vollständig zur Verfügung.

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